Ein Tag mit den „Zipfelmützen-Kindern“
aus der Sicht eines Kindes in der „kleinen Gruppe“

Hallo, ich bin Jonas und besuche die „kleine Gruppe“ in unserem Kindergarten. Wir heißen seit Neuestem „die Zipfelmützen“. Das ist lustig, meint ihr nicht auch?

Morgens komme ich oft schon um 7.00 Uhr, da ist es noch ganz still und ich habe Zeit, anzukommen und die Erzieherinnen zu begrüßen. Manchmal fällt es mir schwer, Papa, der mich hergebracht hat, gehen zu lassen. Da hilft mir das „Winkefenster“ durch das ich ihn sehen kann, bis er mit dem Auto weggefahren ist. Meistens helfe ich dann gleich beim Frühstück richten. Das macht immer viel Spaß, denn wir streichen verschiedene Brote und schneiden Obst und Gemüse. Daran, was es zu essen gibt, kann ich schon ganz gut erkennen, welcher Tag heute ist.
Immer wieder geht die Türe auf, einer meiner Freunde kommt herein und wird fröhlich von mir begrüßt. Manche gesellen sich zu mir, andere beginnen gleich ein Spiel mit unseren Bänken, Stühlen, Klappständern und Tüchern und bauen sich ein Haus oder einen Zug.

  Kind pustet Pusteblume

Andere versorgen die Puppenkinder oder holen sich im Kuschelzimmer erst einmal ein Bilderbuch.

Bald werde auch ich vom Küchentisch weggelockt, denn ich will unbedingt der Lokführer sein, wenn die Reise losgeht. Doch dieser Platz ist schon belegt und mein Spielkamerad will sich das Lenkrad nicht wegnehmen lassen. Zum Glück baut unsere Erzieherin schnell ein zweites Führerhaus. Jetzt kann der Zug in beide Richtungen fahren und braucht natürlich zwei Zugführer.
Am Tisch neben uns wird jetzt gemalt oder etwas gebastelt. Da möchte ich auch mitmachen. Gerade ist ein Platz frei geworden und ich setze mich dazu. So ein Schmetterling aus Wolle ist ganz schön schwierig zu machen. Aber schaut mal die vielen schönen Farben an und „fffff...“, die Wolle kann ja fliegen! Ich freu mich schon darauf, dass mein Schmetterling mit mir nach Hause kommen darf.
Da ruft mich eine der Erwachsenen, denn wir gehen während der Freispielzeit alle einmal auf die Toilette. Meine Kameraden, die noch eine Windel tragen, werden dann auch versorgt. Ich kann mich sogar schon selber wieder anziehen.
Jetzt möchte ich aber wieder spielen gehen. Da steht plötzlich so ein tolles Haus, ob die anderen mich mit einziehen lassen? Ja da wird gerade noch ein „Puppenpapa“ gebraucht.Da erklingt das „Aufräumlied“ und ein Kind läutet das Glöckchen. Jetzt heißt es den Zug in den Bahnhof zu fahren und das Haus abzubauen. Nebenher decken wir die Frühstückstische. Tücher werden gefaltet und die „Schneckenbänder“ werden gerollt und im Körbchen schlafen gelegt. Das erfordert meine ganze Aufmerksamkeit und viel Fingerfertigkeit.

Endlich ist es geschafft. Alles ist wieder an seinem richtigen Platz.
Wir setzen uns in den Kreis am Jahreszeitentisch und ruhen uns ein bisschen aus.
Auf dem Tisch sehe ich viele schöne Dinge, die man jetzt gerade auch draußen finden kann, oder von denen wir auch in Liedern und Geschichten hören, wie z.B. Schmetterlinge, Vögel, schöne Zweige und Karten mit schönen Bildern.


Jetzt singen wir ein Morgenlied und lassen im Fingerspiel den Käfer klettern. Mit den Fingern die Bewegungen richtig zu machen, ist gar nicht so einfach.
Anschließend bekommen wir das „Öltröpfchen“, das Hautöl, das uns eine Erzieherin auf die Hände gibt, duftet gut und wir verreiben es mit einem lustigen Spruch auf den Händen.
Jetzt bilden wir alle zusammen einen Kreis und halten uns an den Händen. Das gelingt uns nicht immer, aber wenn wir es geschafft haben, sind wir alle ganz stolz. Leichter ist es, einfach mit der Erzieherin mitzulaufen. Im Reigen erfahren wir in Liedern und Versen vieles über die Festeszeit, und über die Natur und bewegen uns dazu, tanzen und springen durch unseren Raum. Das macht Spaß, schau mal, wie gut ich als Elfenkind fliegen kann.
Hörst du, wie mein Magen knurrt? Es ist Zeit zu Frühstücken. An unseren Tischen liegt für jeden ein Tischset, das mit demselben Bild bemalt ist, das auch an den Garderobenhaken hängt. So weiß jeder, wo er sitzt. Erst machen wir ein Fingerspiel zum Händefalten, singen ein Tischgebet und wünschen uns „guten Appetit“. Jetzt gibt es unser leckeres Frühstück, das wir heute Morgen gerichtet haben. Nebenher gibt es immer viel zu erzählen. „Guck, die Gurkenscheibe sieht aus wie ein Halbmond.“
Wenn alle satt sind, reichen wir uns die Hände und danken.
Endlich ist die schönste Zeit des Vormittags da: das Draußen- Freispiel.
Aber zuerst müssen wir noch Schuhe, Jacken und Mützen anziehen. Eigentlich ist es viel bequemer, wenn mich die großen Leute anziehen, aber wenn ich es selber schaffe, in die Jacke zu schlüpfen und die Knöpfe zu schließen, ist das ein tolles Erlebnis.

Draußen im Garten spielen wir am liebsten im Sandkasten. Da können wir graben, bauen, Kuchen backen und auch einmal matschen. Manchmal ist es ein bisschen eng und wir müssen gut auf die anderen Kinder und unsere Schaufeln achten. Wir fahren auch gerne mit den Dreirädern, Rollern oder Bollerwagen durch den Garten. Manchmal möchte ich schon älter sein und auch so toll Seilspringen können wie die Großen, aber ich kann schon drüberhüpfen, wenn das Seil am Boden liegt.


Zum Abschluss des Vormittags gehen wir noch einmal ins Haus. Im Märchenkreis hören wir in der letzten Zeit meine Lieblingsgeschichte von der Raupe Blau. Mit dem Abschlussspruch und dem Heimgehlied verabschieden wir uns voneinander.
Dann schaut schon die erste Mama zur Türe herein. Manche Kinder werden nicht gleich abgeholt. Sie gehen noch eine Weile in den Garten. Heute bin ich auch dabei. Gerade versuche ich mich auf der Schaukel selber anzuschucken, da kommt Mama um die Ecke.
„Mami, schau mal was ich kann- bis zum Himmel hinauf.
Solange die großen Leute sich noch unterhalten, schaukele ich zu Ende. Jetzt bin ich aber ganz schön müde und freu mich auf Zuhause.
„Tschüß, bis morgen“.