Keine andere Tätigkeit bietet der kindlichen Phantasiekraft so viel Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten wie das freie Spielen.

Die treibende Kraft, die ein innerliches Gefühlsleben entstehen lässt und weiterentwickelt ist die schöpferische Phantasie. Diese erscheint im vierten Lebensjahr zusammen mit dem Gedächtnis als neue, entscheidende Fähigkeit im Leben des Kindes.

Um schöpferische Phantasie zu entwickeln braucht das Kind Anregungen von außen und die materielle Möglichkeit seiner Umgebung diese in die Tat umzusetzen. Die Phantasie wird durch äußere Sinneswahrnehmung angeregt, die seelischen Bilder werden von innen her der Außenwelt entgegengesetzt, gemäß den Bedürfnissen des Kindes umgewandelt und treten so im Spiel wieder nach außen in Erscheinung.

Eine zu frühe intellektuelle Ansprache des Kindes lähmt die Phantasiekräfte und führt so zu einer Verarmung des Gefühlslebens. Eine wesentliche Aufgabe des Waldorfkindergartens ist es, den Kindern die Möglichkeit zu bieten, diese schöpferische Phantasie auszubilden, um so zu lebendigen Vorstellungsbildern zu gelangen.

Aufgrund dieser menschenkundlichen Erkenntnisse sind wir im Waldorfkindergarten bemüht, den Raum , das möglichst freilassenden Spielzeug aus natürlichen Materialien und die Erwachsenentätigkeit so zu gestalten, dass das Kind in eine Umgebung und seine Spieltätigkeit eintauchen kann in der es so die Welt nachahmend ergreifen lernt. Das freie Spiel ist die wichtigste Äusserungsform des Kindes. Hier wird das Kind gestalterisch tätig, ahmt Alltagssituationen nach und verarbeitet sie. Es entwickelt Fantasie und Selbstständigkeit. Im Waldorfkindergarten finden die Kinder eine anregende Umgebung vor, die den Freiraum und die Sicherheit schafft, sich spielerisch zu entfalten. Spielzeug und Spielmaterialien sind fantasieanregend und aus Naturmaterial.
Im wöchentlichen Rhythmus werden während des Freispiels verschiedene künstlerische Tätigkeiten angeboten. Dazu gehören z.B. das Malen mit Wasserfarben, oder das Kneten mit Wachs oder Ton.